16.06.2017 20:20
Zurück aus der Elternzeit

Wie soll man bloß den Anschluss finden?! Oder ist es doch leichter als gedacht?

Lara Husmann, Disponentin im Bereich Zeitarbeit, erzählt uns, wie ein Wiedereinstieg in den Berufsalltag funktionieren kann. Und wie es für sie persönlich war, organisatorisch wie auch emotional.

I: Lara, wie alt ist Euer Kind? 

Lara: Unsere Tochter ist jetzt 19 Monate alt

I: Hast Du vorab geplant, wann Du wieder in Deinen Job einsteigst? Und hast Du das auch so gemacht? 

Lara: Ja, ich habe Elternzeit bis zum 2. Geburtstag unserer Tochter eingereicht und wollte dann Stundenweise wieder einsteigen. Habe dann aber schon viel früher gemerkt, dass ich unbedingt wieder arbeiten möchte, so nach einem Jahr ungefähr.

I: Mit welcher Stundenzahl bist Du jetzt wieder eingestiegen?

Lara: Momentan auf Minijobbasis. Dabei bin ich zu Beginn für ein paar Tage ganztags als Vertretung eingesprungen. Werde dann aber, wenn das bald richtig los geht, mit 20-25 Stunden einsteigen – also halbtags. 

I: Wie lange warst Du vor Eurem 1. Kind schon berufstätig?

Lara: Für ca. 10 Jahre

I: Wie kennst Du es denn aus Deiner Kindheit – waren Deine Eltern beide berufstätig?

Lara: Mein Vater war voll berufstätig und meine Mutter war eigentlich immer zu Hause

I: Wie lange bist Du schon bei Deinem jetzigen Arbeitgeber?

Lara: Seit  Anfang 2014 – also seit dreieinhalb Jahren

I: Wie war denn die erste Woche des Wiedereinstiegs für Dich? Besonders in Bezug auf die Organisation der Betreuung - und in Bezug auf den Einstieg in die Arbeitsthemen?

Lara: In die Arbeit bin ich meiner Meinung nach wieder sehr gut reingekommen. Das war ein guter Einstieg und ich habe das Gefühl gehabt, ich war nach 2-3 Tagen wieder voll drin. Das fand ich total toll.

Mit meiner Tochter war es so, dass der erste Tag gut für mich ging. Ab dem zweiten Tag habe ich sie dann schon arg vermisst. Man hockt anderthalb Jahre jeden Tag – 24 Stunden und sieben Tage die Woche – aufeinander. Positiv gemeint. Und dann auf einmal so ein glatter Bruch, wo man wieder Vollzeit arbeitet, das ist schon hart. Die Trennung ist mir echt schwer gefallen.

Von der Organisation her - Ich habe Glück, dass meine Schwiegermutter mit im Haus wohnt und sie nur stundenweise berufstätig ist und sich um sie ohne Wenn und Aber kümmert. Im Prinzip wächst unsere Tochter ja nicht nur mit Mutter und Vater auf, sondern mit Oma, Mutter und Vater – wir sind da quasi ein Dreigespann. Die Stunden, in denen meine Schwiegermutter am Tag über gearbeitet hat, in der Zeit haben Freunde, Bekannte und Verwandte aufgepasst. Wir haben einen ziemlich großen Bekanntenkreis und unsere Tochter kennt die auch alle. Bei uns ist immer irgendwas los. Von daher war das für sie glaube ich auch keine große Umstellung, dass dann mal für zweieinhalb Stunden jemand anders da war.

I: An wieviel Neues musstest Du Dich gewöhnen? Und ist es Dir leicht gefallen?

Lara: Grundsätzlich hat sich nicht viel geändert. Ein paar „harte Fakten“ bezüglich aktueller Reformen schon. So sind ein paar theoretische Sachen dazugekommen. Aber ansonsten ist mir das eigentlich ziemlich leicht gefallen.

I: Bist du jetzt zufrieden so, wie du es gemacht hast?

Lara: Also ich kann nicht sagen, dass ich das irgendwie bereuen würde. Es ist gut so, wie es ist.

I: Hast Du noch Tipps an Berufstätige mit kleinen Kindern?

Lara: Ja. Das schlechte Gewissen, das man nicht nur seinen Kindern gegenüber hat, sondern auch der Allgemeinheit gegenüber… Man wird ja wirklich schief angeguckt, wenn man erzählt, dass man „jetzt schon wieder“ arbeitet und das „arme Kind“ mit fast 20 Monaten doch schon in den Kindergarten schickt – da stößt man gerade bei der älteren Generation auf ganz schönen Unmut und Unverständnis. Also das ist ganz klar, dass die Frau zu Hause bleibt und der Mann arbeiten geht und dass die Frau für den Haushalt und die Kindererziehung zuständig ist. Und das können einige überhaupt nicht verstehen, dass man Ambitionen hat, wieder arbeiten zu gehen und sein „armes Kind“ so früh schon in den Kindergarten schickt.

Da sollte man auf das mütterliche/ elterliche Bauchgefühl hören und das machen, was man meint, was für einen selbst und für das Kind am Besten ist.

Das ist so der elementarste Tipp, den ich mitgeben kann. Die Quintessenz.

I: Vielen Dank, Lara!